{"id":2140,"date":"2026-11-04T14:00:47","date_gmt":"2026-11-04T13:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/organizingarchitectures.org\/call-for-papers\/"},"modified":"2026-11-05T16:01:42","modified_gmt":"2026-11-05T15:01:42","slug":"call-for-papers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/organizingarchitectures.org\/de\/call-for-papers\/","title":{"rendered":"Call for Papers"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die j\u00fcngere Forschung hat sich zunehmend damit befasst, wie architektonisches Wissen in der Nachkriegszeit produziert, transformiert und verbreitet wurde. Ein prominentes Forschungsfeld war die Architekturausbildung, einschlie\u00dflich der Reform bestehender Institutionen, der Gr\u00fcndung neuer Einrichtungen, curricularer Neuerungen, neuartiger p\u00e4dagogischer Methoden und des Einflusses studentischen Aktivismus auf die Lehrpraxis. Ein zweites Forschungsfeld hat die gleichzeitige Verbreitung \u201ekleiner\u201c Architekturzeitschriften untersucht, die die Baukultur durch die F\u00f6rderung von Innovation, kritischer Debatte und oppositionellem Diskurs umgestaltet haben. Ein dritter, vergleichsweise wenig erforschter Bereich betrifft Werkzeuge architektonischer Selbsterm\u00e4chtigung, etwa Handb\u00fccher, Ratgeber, DIY-Anleitungen, Newsletter und Lehrvideos, die Laien die Teilhabe an der Gestaltung der gebauten Umwelt erm\u00f6glichten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortschritte in der B\u00fcrotechnik, darunter die Kommerzialisierung des Fotokopierers, die zunehmende Erschwinglichkeit des Offsetdrucks und das Aufkommen preiswerter Handkameras und Amateurvideotechnik in den sp\u00e4ten 1960er-Jahren, erm\u00f6glichten es Praktikerinnen und Praktikern ebenso wie Aktivistinnen und Aktivisten, r\u00e4umliche Expertise mit einem bis dahin unerreicht gro\u00dfen Publikum zu teilen. Diese Werkzeuge unterschieden sich erheblich in Reichweite und Zielsetzung. Einige \u00fcbersetzten technisches Wissen in verst\u00e4ndliche Begriffe und erkl\u00e4rten, wie man einfache allt\u00e4gliche Strukturen errichtet, nachhaltige Energie gewinnt oder Land bewirtschaftet. Andere vermittelten organisatorisches Wissen und zeigten der Leserschaft, wie man feministische und queere R\u00e4ume zu schafft, Geb\u00e4ude f\u00fcr Menschen mit Behinderungen umzur\u00fcstet, Zufluchtsorte errichter, Geb\u00e4ude zu besetzt, Kooperativen und Kommunen betreibt oder st\u00e4dtische Proteste organisiert.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Wirkung und Langlebigkeit variierten betr\u00e4chtlich. Viele waren einmalige Untergrundpublikationen, wie die 1971 erschienene italienische gegenkulturelle Anthologie \u2026ma l\u2019amor mio non muore, die Kritik am Status quo mit praktischen Anleitungen verband, die von der Konstruktion tempor\u00e4rer Selbstverteidigungsstrukturen \u00fcber Strategien zur Durchf\u00fchrung von Demonstrationen bis hin zu Hinweisen zu informellen Organisationsstrukturen reichten. Die Publikation wurde zu einem Referenzpunkt f\u00fcr die existenziellen und politischen Revolten, die Italien in den 1970er-Jahren pr\u00e4gten. Andere Publikationen erschienen in mehreren Ausgaben und trugen dazu bei, alternative Diskurse \u00fcber Architektur, St\u00e4dtebau und r\u00e4umliche Praxis au\u00dferhalb institutioneller Rahmen zu etablieren. So wurde etwa Shelter, ein gegenkulturelles Handbuch von Lloyd Kahn aus dem Jahr 1973 zum Bau geod\u00e4tischer Kuppeln und anderer improvisierter Strukturen, \u00fcber 160.000 Mal verkauft und \u00fcbertraf damit die Verkaufszahlen vieler kanonischer Architekturpublikationen. Im Vergleich dazu verkaufte sich Learning from Las Vegas von Robert Venturi, Denise Scott Brown und Steven Izenour etwa 112.000 Mal weniger. Shelter bot nicht nur Bauanleitungen, sondern enthielt auch Erfahrungsberichte von Nutzerinnen und Nutzern sowie theoretische Reflexionen und trug so zur Etablierung eines architektonischen Paradigmas bei, das sich vom Mainstream-Diskurs unterschied.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Werkzeuge der Selbsterm\u00e4chtigung wirkten \u00fcber das gesamte politische Spektrum hinweg und wurden von umfassenderen politischen und wirtschaftlichen Kr\u00e4ften gepr\u00e4gt, wobei sie sich oft in einem ambivalenten Terrain bewegten. Bottom-up-Initiativen konnten von Marktakteuren vereinnahmt werden, da Hersteller ihr kommerzielles Potenzial erkannten und sie nutzten, um die Nachfrage nach Materialien und Werkzeugen anzukurbeln. Ebenso eigneten sich regionale, nationale und supranationale Institutionen solche Ressourcen als Instrumente der Steuerung und Dezentralisierung von Macht an und f\u00f6rderten damit die Interessen bestimmter Gruppen. So produzierte etwa der Architekt Yona Friedman in den 1970er- und 1980er-Jahren comicartige Lehrmaterialien f\u00fcr die UNESCO, die eng mit der Entwicklungsagenda der Organisation \u00fcbereinstimmten <a href=\"https:\/\/organizingarchitectures.org\/de\/event\/speaking-on-behalf-of-unesco-2\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/organizingarchitectures.org\/event\/speaking-on-behalf-of-unesco\/\">&gt;&gt; .<\/a><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Vorbereitung auf eine Ausstellung im <a href=\"https:\/\/dam-online.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Architekturmuseum (DAM)<\/a> und einen begleitenden Sammelband Ende 2028 laden wir zur Einreichung von Beitr\u00e4gen ein, die sich kritisch mit Werkzeugen architektonischer Selbsterm\u00e4chtigung ab den 1960er-Jahren auseinandersetzen. Die Beitr\u00e4ge sollen die soziopolitischen, kulturellen und wirtschaftlichen Kontexte untersuchen, in denen diese Werkzeuge entstanden, ihre Formen der Verbreitung und Aneignung sowie ihre architektonischen und r\u00e4umlichen Strategien, Sensibilit\u00e4ten und \u00c4sthetiken. Besonders willkommen sind Fallstudien zu Regionen und Gemeinschaften, die in der Architekturgeschichte bislang unterrepr\u00e4sentiert sind, sowie zu Akteurinnen und Akteuren, deren r\u00e4umliches Wissen marginalisiert oder \u00fcbersehen wurde.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6gliche Beitr\u00e4ge umfassen unter anderem (aber nicht ausschlie\u00dflich):<br\/><br\/>\u2022 Meta-Formate: Handb\u00fccher, die zur Erstellung von Handb\u00fcchern anleiten, sowie Verzeichnisse oder Zusammenstellungen von Handb\u00fcchern<br\/>\u2022 Politisch motivierte Werkzeuge der Selbsterm\u00e4chtigung, von umweltbewegten, autarken und Prepper-Ans\u00e4tzen bis hin zu queerem, feministischem, sozialgerechtigkeitsorientiertem und dekolonialem Aktivismus; von linksradikalen und anarchistischen Bewegungen bis hin zu rechtsextremen oder nationalistischen Gruppen<br\/>\u2022 Wirtschaftlich und institutionell eingebettete Werkzeuge, die sich mit kommerziellen oder staatlichen Kan\u00e4len befassen und die Ambivalenzen ihrer Produktion, Verbreitung und Nutzung analysieren<br\/>\u2022 Andere Formate r\u00e4umlicher Selbsterm\u00e4chtigung, die traditionell nicht zum architektonischen Kanon gez\u00e4hlt werden, wie Kochb\u00fccher, Comics oder Lieder<br\/><br\/><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir freuen uns \u00fcber Vorschl\u00e4ge von bis zu 300 W\u00f6rtern, die bis zum 20. Dezember 2026 an <a href=\"mailto:carnelli@arch.ethz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">carnelli@arch.ethz.ch<\/a> und <a href=\"mailto:linsin@kunst.uni-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">linsin@kunst.uni-frankfurt.de<\/a> zu senden sind. Bitte geben Sie an, ob Sie einen kurzen Artikel (2.000\u20133.000 W\u00f6rter) oder einen langen Artikel (5.000\u20136.000 W\u00f6rter) einreichen m\u00f6chten. Die Bewerberinnen und Bewerber werden bis Ende Januar 2027 benachrichtigt. Die Volltexte m\u00fcssen vor dem zweit\u00e4gigen Hybrid-Workshop eingereicht werden, der f\u00fcr Anfang September 2027 in Frankfurt am Main geplant ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngere Forschung hat sich zunehmend damit befasst, wie architektonisches Wissen in der Nachkriegszeit produziert, transformiert und verbreitet wurde. 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