Vortrag von Jessica Pineda-Zumaran [Centro de Investigación en Teoría Urbana y Territorial URBES – LAB, Peru], #7 der Ringvorlesung Organizing Architectures: Coloniality
Lateinamerikanische Stadtplaner*innen, Stadtverwalter*innen und Designer*innen betrachten die urbane Ästhetik offenkundig oft als trivial und für die Lebensqualität der Menschen als unerheblich. Das fast vollständige Fehlen ästhetischer Vorgaben und die nur begrenzte Berücksichtigung von Ästhetik in den Design-Studiengängen sind Ausdruck dieser Geringschätzung. Diese Haltung wird offenbar durch die anhaltende Ablehnung, manchmal sogar Verachtung, alternativer Ästhetiken, wie etwa der in selbstgebauten Stadtvierteln, noch verstärkt. Die urbane Ästhetik dieser Orte weist Merkmale auf, die von denjenigen formal errichteter und professionell geplanter Stadtviertel deutlich abweichen. Dies ist nicht nur das Ergebnis einer schrittweisen Vermischung von Materialien und Bausystemen, sondern auch der bewussten Auswahl von Farben, Formen und Oberflächenmaterialien durch die Hausbesitzer*innen. Man kann argumentieren, dass diese Auswahl kulturelle Wurzeln hat, die größtenteils auf Traditionen der lateinamerikanischen Anden zurückgehen. Ausgehend von Bourdieus Konzept des kulturellen Kapitals reflektiert dieser Vortrag darüber, wie die professionelle Definition einer „akzeptablen“ städtischen Ästhetik zu Ausgrenzung bestimmter Gemeinschaften und sogar zu Selbstsegregation führen kann. Anschließend befasst sich die Vorlesung mit der Erzeugung und Reproduktion ästhetischer Gerechtigkeit und stellt diesen Begriff dem Aufruf gegenüber, das Recht auf Schönheit von westlichen Fach- und Wissenschaftskreisen in Architektur und Design zurückzufordern. Der Vortrag zielt darauf ab, die Zuhörer*innen in eine erneuerte, multidisziplinäre und erweiterte Debatte über urbane Ästhetik im Zeitalter des Kapitalismus einzubeziehen.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich.
Mitglieder der Architektenkammer Hessen (AKH) können bei Teilnahme 2 Fortbildungspunkte erhalten.
Ins Wintersemester verschoben!