Artikel von Anna Derriks, basierend auf ihrem gleichnamigen Vortrag bei der Sektionstagung der Kultursoziologie, Kulturwissenschaftliches Institut Essen.
Dieser Beitrag untersucht Materialität und räumliche Organisation sowie Technologien und Praktiken, die zur Produktion der EU-Grenze in und um das Personentransportsystem am Frankfurter Flughafen
Verwendung finden. Er beleuchtet damit wie abstrakte Kategorien wie sauber/unsauber, sicher/unsicher, Schengen/Non-Schengen zu konkreten, wenn auch visuell subtilen sozio-materiellen
Grenzen werden.
Ursprünglich in den 1990er Jahren eingeführt, um Terminal 1 mit dem damals neu gebauten Terminal 2 zu verbinden, wurde das Personentransportsystem seitdem mehrfach erweitert. Die jüngste Erweiterung ist derzeit im Bau und soll die bestehenden Terminals mit dem 2026 eröffnenden Terminal 3 verbinden. Alle Terminals werden von Schengen-, Nicht-Schengen- und Transferpassagieren genutzt. Darüber hinaus ist das Personentransportsystem zumindest in Teilen für die Öffentlichkeit zugänglich. Dabei gilt es in Bezug auf mögliche irreguläre Grenzüberschreitungen als besonders sensible Zone, da es sich im sogenannten Vorfahrtsbereich befindet, von wo private Automobile, Taxis und der öffentliche Verkehr erreichbar sind.
Um die Integrität der Grenze zu gewährleisten, werden verschiedene Strategien angewendet. Die erste könnte als architektonische Strategie bezeichnet werden, bei der Grundrisse und Schnitte so organisiert sind, dass verschiedene Reisende in großem räumlichem Maßstab voneinander getrennt bleiben. Diese Strategie funktioniert auf der größten und immobilsten Ebene und umfasst Elemente wie separate Geschosse, Bahnsteige und Brücken. Die zweite Strategie funktioniert auf einer kleineren und teilweise mobilen Ebene und basiert auf Materialität. Räumlich benachbarte Bereiche werden durch Elemente wie Glaswände, Tore oder Wegweiser voneinander getrennt. Die dritte Strategie findet auf der kleinsten und mobilsten Ebene statt und besteht aus technologischen Sensoren und menschlichen Praktiken. Wo eine Flüchter geöffnet wird, aktiviert sich beispielsweise eine Kamera, welche Bundespolizei und Sicherheitspersonal über den Weg der fliehenden Person informiert und somit zu ihr führt. Erst das Ineinandergreifen aller Strategien ermöglicht die Produktion einer subtilen und doch gehärteten Außengrenze.
Im Rahmen der Grenzsoziologie soll der Blick auf die Rolle und Bedeutung von Materialität und Räumlichkeit in Verbindung mit Praktiken und Technologien gestärkt und sich so der Frage genähert werden, wie sich Durchlässigkeit und Dichtheit der Grenze gleichzeitig realisieren.
Deutsch
16 Seiten
Soziopolis, 8. Juli 2026
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