Housing and Beyond: Urban Inequalities, Welfare, and Infrastructures in the Global Urban Condition

RC21 Conference Vienna 20

Panel organisiert von Dr. Dhara Patel [Technische Universität Darmstadt & Assoziierte des Graduiertenkollegs „Organizing Architectures“] und Dr. Claudia Ba [Technische Universität Darmstadt].

Städtische Ungleichheiten bestehen bei der Stadtgestaltung fort, gewinnen jedoch in Kontexten, die von transnationaler Migration, Sozialabbau und neoliberaler Politik geprägt sind, an Intensität. Wohnen, sowohl als Ware als auch als Recht, bleibt ein zentraler Bereich, in dem sich Ungleichheiten konkretisieren: von ausgrenzenden Mietmärkten bis hin zur Finanzialisierung städtischen Eigentums. Doch Ungleichheiten reichen über den Wohnungsbereich hinaus und sind eingebettet in soziale Infrastrukturen, Sozialsysteme und städtische Vorstellungswelten, die Zugang, Zugehörigkeit und Mobilität strukturieren.

Diese Sitzung lädt zu Beiträgen ein, die sich mit der relationalen und transnationalen Entstehung städtischer Ungleichheit auseinandersetzen. Wir fragen:
• Migration, Mobilität und Vorstellungen von Heimat: Wie vernetzen sich Städte im Norden und Süden durch Migration, Investitionen und Wissensflüsse und schaffen so neue Hierarchien in Bezug auf Klasse, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und Status? Wie prägen verschiedene Formen der Mobilität – Süd-Süd- und Nord-Süd-Migration, zyklische Migration oder Rückwanderung, Zwangsvertreibung und Flucht – die Erfahrungen von Ankunft, Ansiedlung und Zugehörigkeit? Inwiefern materialisieren sich diasporische Vorstellungen von „Heimat“ und „Heimatland“ in städtischen Umgebungen und beeinflussen sie nationalstaatliche Projekte?
• Konzepte von Ankunft und Heimat: Welche Akteure (staatliche Institutionen, Migrantenorganisationen, Zivilgesellschaft) mobilisieren Vorstellungen von „Ankunft“ und „Heimat“, und zu welchem Zweck? Wie stabilisieren diese Konzepte lokal spezifische Ansprüche und reproduzieren gleichzeitig global zirkulierende Kategorien von Gleichheit und Unterschiedlichkeit?
• Die Produktivität von Ungleichheit: Inwiefern werden Ungleichheiten nicht nur reproduziert, sondern sind auch produktiv und strukturieren städtische Bestrebungen, Mobilitäten und Ausgrenzungen? Wie bewältigen – oder erzeugen aktiv – Sozialsysteme, Wohnungssysteme und Governance-Modelle in unterschiedlichen Kontexten neue städtische Ungleichheiten?
• Über den Wohnungsbau hinaus: Infrastruktur und Sozialwesen: Inwiefern wirken sich die Infrastruktur bei der Ankunft (Gesundheitsversorgung, Bildung, Verkehr, zivilgesellschaftliche Einrichtungen) und die Sozialsysteme in Wechselwirkung mit dem Wohnungsbau auf Zugehörigkeit und Ausgrenzung aus? Mildern sie Ungleichheiten oder verstärken sie diese im Nord-Süd-Kontext?

Wir suchen Beiträge, die kritische und kreative Denkansätze sowie methodologische Überlegungen nutzen, um städtische Ungleichheit nicht nur als Ergebnis ungleicher Entwicklung zu hinterfragen, sondern als eine Kraft, die die Zukunft der Städte aktiv mitgestaltet. Ansätze wie der postkoloniale Urbanismus (Roy 2011) stellen universalistische Stadtmodelle infrage und zeigen auf, wie Erfahrungen aus dem Globalen Süden die Theorie neu definieren. Der rassische Kapitalismus (Robinson 1983; Kelley 2017) hebt die Verflechtung wirtschaftlicher Ausbeutung mit rassifizierten und anderen Formen der Differenz hervor und zeigt, dass Ungleichheit strukturell generativ und nicht zufällig ist. Der Neoliberalismus als Ausnahme (Ong 2006) lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie Staaten selektiv Regeln aussetzen oder neu erfinden, um neue Zonen der Inklusion und Exklusion zu schaffen. Konzepte wie der „Capability-Ansatz“ (Sen, 2001) setzen sich kritisch mit den Tropen des „guten Lebens“, des Wohlbefindens und der urbanen Lebensqualität (uQoL) auseinander und prägen das Verständnis von städtischen Wohnungsmärkten und globalen individuellen Möglichkeiten. Zusammen laden uns diese Perspektiven dazu ein, Ungleichheit nicht als Restphänomen oder pathologischen Zustand zu betrachten, sondern als konstitutive Logik des zeitgenössischen Urbanismus – eine Logik, die Nord und Süd, Süd und Süd, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und die anhaltende (Neo)Kolonialität offenbart, die in Governance, Infrastrukturen und dem alltäglichen städtischen Leben verankert ist.

Indem dieses Panel die Themen Wohnen, Ankunftsinfrastrukturen, Migrationsverläufe und transnationale Bewegungen in den Mittelpunkt stellt, lädt es zu vergleichenden, transdisziplinären, historischen und ethnografischen Beiträgen ein, die untersuchen, wie alte Ungleichheiten fortbestehen und gleichzeitig neue entstehen, wodurch Städte zu umkämpften Schauplätzen von Ausgrenzung und Gerechtigkeit werden.

21. Juli 2026
9 Uhr, Universität Wien
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